KUNST LAND WASSER

Raum für Kunst und Begegnung in Landwasser

Das Projekt Kunst Land Wasser blickt auf ein spannendes Jahr zurück.

Von Anfang an ging es in diesem Projekt um Begegnung. Begegnung zwischen Menschen in Landwasser, zwischen Profi- und Laienkünstler*innen und zwischen künstlerischem und am Gemeinwesen orientierten Arbeiten. Nicht umsonst fanden auch viele der Aktionen - nicht nur wegen der Coronaeinschränkungen - im öffentlichen Raum rund um das Einkaufszentrum statt- der öffentliche „Sozialraum“ wurde somit zur erweiterten Bühne des Ausstellungsraums „schauFenster“im ehemaligen Modegeschäfts im EKZ.

 

So startete das Projekt im November 2019 mit drei Kunstaktionen: der Performance „In my room“ von Emi Myoshi (Tanz), Jürgen Oschwald (Objekte) und Ephraim Wegner (Sound) auf den Treppen des Einkaufszentrums; der Tanzaktion diy_gital con_action“ während der Ü30 Party im Haus der Begegnung“ sowie der Installation, „Die Wand“ von Alfonso Lipardi, einer Bücherwand, die zusammenbrach und damit den bevorstehenden Einriss des Einkaufszentrums vorweg nahm. Alle Aktionen beschäftigten sich sowohl mit dem bevorstehenden architektonischen Umbruch, als auch ganz konkret mit dem jeweiligen sozialen Kontext (vgl. den Artikel dazu in der HdB-Auslese 2019).

 

Ab März und damit pünktlich zum Beginn der coronabedingten Einschränkungen konnten wir das bereits leere Modefachgeschäft im Einkaufszentrum bespielen unter dem #schauFenster. Die Eröffnung mit Raumbesichtigung, Musik und Gesprächen fand am 11.3.2020 mit den Musikern Mamoudou Doumbouya und Holger Maier statt. Die erste Ausstellung zeigte Skulpturen und Objekte von Jugendlichen aus der Bildhauerwerkstatt Kunstflug im Jugendhilfswerk und der Projektwerkstatt Kubus³, die auch gut von außen – corona-konform - durch die großen Glasscheiben besichtigt werden konnten. Dem folgte die Ausstellung „high noon“, eine raum-bezogene, raumfüllende, plastisch-blasenartige Form der Künstlerin Eva-Maria Übelhör. Trotz Corona kamen wir auf diese Weise mit einigen Kunstinteressierten ins Gespräch und konnten auch bald Bilder von Landwasser Maler/innen (Folkmar Biniarz - Charlotte Grabowski - Ingrid Götsch - Irmgard Hühner - Peter Lüthi - Ingeborg Rist -Gisela Scheer - Gisela Trüller) unter dem #4 Heimspiel im schauFenster zeigen. Die Bilder stellten zum Großteil Szenen aus Landwasser und Umgebung, abstrakte Malerei sowie Landschaften dar.

 

Im Juli begannen sich die entstandenen Verbindungen zwischen Beteiligten Künstler*innen auch deutlicher in den Aktionen zu zeigen: Bildende Kunst, Tanz und Soundkunst begegneten sich im und außerhalb des schauFensters. Dabei zeigte die Fotografin Ursula Brandt in ihrer Ausstellung „Die Ästhetik maroder Wände“ Einsichten von verwitterten Wänden aus Metall, Holz, Beton, Ziegeln und Sandstein. Unter dem Titel „Embodied De-Construction“ -präsentierte Katarzyna Brzezinska, Klang und Performancekunst und erforschte in einem konstanten Spiel zwischen menschlichem Körper und Gebäuden Konstruktion und Dekonstruktion. Und den Soundtrack zum Abriss gab es aus der Bretterbude. Die Musiker bearbeiteten Kontaktverbote, ungewisseZukunft, soziale Ungerechtigkeit, Menschenfeindlichkeit - Frust, Aggression & Monotonie über Synthesizer, Drumcomputer, Effektgeräte & Endlosschleifen.

 

Am 1. August gab es dann noch eine künstlerische Abschiedstour durch das EKZ mit Tanz, Musik und einer geführten Tour durch die Graffiti-Kunstwerke.

Gerade die Unterschiedlichkeit der Beteiligten und das Nebeneinander verschiedener Generationen, Schwerpunkte und Interessen ist dabei das Besondere an Kunst Land Wasser. Denn in diesem manchmal auch konfrontativen Kontakt zeigt sich die Unterschiedlichkeit unserer Gesellschaft. Über das gemeinsame Kunstinteresse scheint sich uns ein Weg zu öffnen mit dieser Unterschiedlichkeit konstruktiv in Kontakt zu kommen.

Kunst Land Wasser ist dabei auch ein Experiment: Kunst und Kultur im Stadtteil zwischen Mitgestalten und Miterleben voranzubringen. Es wird im Jahr 2021 darauf ankommen, weitere Mitstreiter*innen und natürlich die Mittel zu finden um dieses erfolgreiche Projekt fortzuführen.

Begleitet wurde dieses Experiment das ganze Jahr von dem Filmemacher Bodo Kaiser. Wir freuen uns auf seinen voraussichtlich hoffentlich im Frühjahr öffentlich zeigbaren Film „Kunst zwischen Abriss und Aufbruch“.

 

Das Projekt Kunst Land Wasser nimmt sich im nächsten Jahr vor unter dem Stichwort „Raum“ weiter Aktivitäten mit Interessierten aus Landwasser und darüber hinaus zu entwickeln.Wir freuen uns auf Mitgestaltende, die mit uns unterschiedliche Orte - vom Moosweiher bis zum Roten Otto - zum Leben erwecken wollen.